Automatismus als Falle?

Die ersten Frühlingssonnenstrahlen und ich auf dem Balkon mit einem Obstteller als Frühstück.

Ein wundervoller Augenblick den ich mit Achtsamkeit und entspannter Aufmerksamkeit genießen möchte. Jedes Stück Obst anschauen, fühlen, riechen, auf der Zunge schmecken, abbeißen, den Geschmack ganz in mir aufnehmen.

 

Doch was ist das???

 

Plötzlich bemerke ich, dass der Teller fast halb leer ist und ich seit dem fünften Stückchen Obst nicht mehr dabei bin, sondern völlig in meinen Gedanken über die anstehende Steuererklärung, schmutzige Wäsche und Gartenarbeit verloren ging.

Enttäuschung versucht sich Platz zu verschaffen und die Frage: 

Warum passiert das immer wieder? Und warum meistens dann, wenn ich alleine bin?

 

Dieser Gedanke beschäftigt mich sehr. Also schiebe ich den Obstteller zur Seite und stelle mich diesem Phänomen. Was ist die Ursache? Der Verstand hat viele Ideen, doch die helfen nicht wirklich weiter. Also, aufhören zu denken!

Aufmerksamkeit auf den Atem und still werden. Nach innen fragen: Warum geschieht das?

Zunächst nichts... doch dann steigen langsam Situationen und Worte auf. 

 

... Automatismus, Autopilot durch Erfahrung, ...

 

Viele Jahre musste ich die Zeit, die ich ungestört war, sinnvoll und effektiv nutzen. Multitasking war zwingend erforderlich, um die vielen anstehenden Aufgaben bewältigen zu können. Deshalb verfällt mein innerer Automatismus nach wie vor manchmal, wenn ich alleine bin, in den Multitasking Modus. Essen, planen, nebenbei noch Wäsche aufhängen und Blumen gießen, oft mit dem Telefonhörer am Ohr, dem Blick in der Mailbox.

 

 

Zufrieden mit diesem Ergebnis kehre ich zurück zu meinem Obstteller und schenke der nächsten Kiwischeibe meine ganze Aufmerksamkeit.

 

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? Ganz so einfach ist es nicht, aber ein wichtiger Schritt ist getan. Ich habe es bemerkt, die Ursache gefunden und rufe mir das immer wieder ins Bewusstsein. Das hilft mir sehr, den Autopiloten zu erkennen und zu vermeiden, sodass ich immer besser im Augenblick SEIN kann.

 

Dafür bin ich sehr dankbar!


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